Chronik

Geschichtlich und urkundlich ist festgestellt, dass  schon im Jahre 1823 in Unterreitnau eine Gemeindemusik mit kaum einem Dutzend Musiker bestanden hat, da in jenem Jahr das Priesterjubiläum des Pfarrers Magnus Wagner gefeiert wurde.

Im Jahr 1906 setzten sich zehn Männer aus der Gemeinde zusammen und beschlossen, als »Musikgesellschaft Unterreitnau« bei kirchlichen sowie weltlichen Anlässen musikalisch mitzuwirken. Die Vergütungen mussten allerdings zum größten Teil für Aushilfen aus benachbarten Gemeinden verwendet werden, sodass der Kassenbestand kaum anwachsen konnte. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 brachte natürlich auch Unterreitnauer Musiker zu den Soldaten. So wurde nur in ganz kleinen Gruppen bei kirchlichen Festen, aber auch bei Trauerfeiern für gefallene Soldaten musiziert. Nach Kriegsende kehrten die meisten Soldaten zurück, die Zahl der Musiker wuchs wieder an, und es konnte wie vor dem Krieg musiziert werden. Aus den Mitgliedern der Musikgesellschaft 1920 wurde sogar eine kleine Streichmusik-Gruppe Gegründet. Die Leitung der 12 Musiker (4 Geigen, 1 Viola, 1 Streichbass, der Rest Bläser) hatte Lehrer Waldmann. Streichmusik und Blasmusik konnten sich nun bei den Feierlichkeiten abwechseln.

 

Als im Jahr 1923 durch die Geldentwertung der Kassenbestand immer geringer wurde, machten die findigen Unterreitnauer in der Gemeinde eine Holz- und Schnaps-Sammlung. Durch den Handel mit diesen Naturalien (120 Liter Schnaps, mehrere cbm Holz) konnte Notenmaterial erworben, alte Instrumente repariert und sogar neue Instrumente beschafft werden. Von den Rücklagen wurden 1925 für die Musiker neue Uniformen gekauft. Für dieses Jahr sind 53  Proben und 21 Auftritte erwähnt.

 

Der 2. Weltkrieg brachte das Musikerleben wieder fast ganz zum Erliegen, weil viele Mitglieder der Musikgesellschaft an die Front berufen wurden. Wie sich die Zahl der Musiker verkleinerte, so verringerte sich auch die Zahl der Auftritte. Nach Kriegsende verschwanden durch die Besatzungsmacht viele Instrumente, in der Gemeinde konnte kaum noch musiziert werden.

Erst 1952 kamen wieder Unterreitnauer zusammen, um mit der Musik neu zu beginnen. Der damalige Bürgermeister Otto Reutemann stellte sich als Vorstand und Schriftführer zur Verfügung, als Dirigent konnte der Berufsmusiker Rudolf Rehwagen aus Lindau gewonnen werden. Ihm gelang es sogar, die Bevölkerung der Gemeinde im Saal des Gasthauses »Traube« mit einem Weihnachtskonzert zu erfreuen. Dieser Neubeginn nach dem Krieg begeisterte die Unterreitnauer, neue Mitglieder traten in die Musikgesellschaft ein.

 

Durch den Zusammenhalt der Musikanten und die Verteilung der Aufgaben entwickelte sich in der Folgezeit eine beachtliche Aktivität, die sich außer bei den regelmäßigen Proben in der “Traube“ auch in zahlreichen Auftritten äußerte. Es gab jedes Jahr eine Mitgliederversammlung, einen Faschingsball für die Gemeinde, einen Ausflug und ein Weihnachtskonzert. Ebenfalls wurde bei kirchlichen Anlässen, wie Fronleichnamsprozession, Erstkommunion oder Wendelinsritt auf dem Kinberg,  musiziert. Musikalische Begleitung bei z.B. Geburtstagsständchen, würdige Weisen beim Volkstrauertag oder bei Beerdigungen gehörte selbstverständlich ins Programm des Musikerjahres, das zu Weihnachten mit dem Turmblasen von der Kirche und dem Neujahrsblasen in der Gemeinde beendet wurde. Außerhalb dieser feststehenden Termine besuchte die Musikgesellschaft auch Musikfeste in der Umgebung und nahm dort an den Umzügen teil.

Im Jahr 1969 trat mit Helene Stocker erstmals eine Frau in den Verein ein. Zeichen für die Fortentwicklung der Musikkapelle war im folgenden Jahr die Spende eines Sousaphons, die Mitwirkung von Josef Schreiber aus Wasserburg als   2. musikalischer Leiter und vor allem die Teilnahme an den Wertungsspielen beim Musikfest in Opfenbach. Dort gelang nach intensiver Vorbereitung der Musikkapelle mit dem »1. Rang mit Auszeichnung« der Aufstieg von der Unterstufe in die Mittelstufe. Dieser Erfolg spornte die Musiker natürlich zu noch mehr Einsatz und besserem Probenbesuch an.

Für Einheimische und Gaste wurde seit 1976 jedes Jahr im Schulhof von Unterreitnau ein mehrtägiges Sommerfest mit mehreren Kapellen, eigenem Festzelt und einem humorvollen Ansager gefeiert.

Die Zahl der aktiven Musiker stieg im Jahr 1984 bis auf 40 an. Für alle konnte eine neue Tracht beschafft werden. Die Musikerinnen erhielten zur neuen Uniform auch schmucke Dirndl. Während 1972 beim Bezirksmusikfest in Unterreitnau 5 Musikerinnen mitwirkten, ist heute fast die Hälfte der Musiker weiblich.

 

Bei der Mitgliederversammlung 1985 wurde der Beschluss gefasst, die Musikkapelle ins Vereinsregister einzutragen und eine Mustersatzung des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes anzunehmen. Der Verein trägt seither den offiziellen Namen »Musikkapelle Unterreitnau 1823 e.V.«

 

Ein herber Schlag für das Gemeindeleben war der Verkauf des Gasthauses »Traube« im Sommer 1979. Der Musikverein verlor sein Probelokal und den Raum für die jährlichen Konzerte. Seither proben die Musiker in einem Klassenzimmer der Alten Schule, das 1995 in Eigenleistung vergrößert wurde und bis heute als Probelokal dient.

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